Hotspot im Monat September: Die Blindschleiche

28.08.2018


Achtung Schlange! Oder doch nicht?

Sie wird häufig für eine Schlange gehalten, was ihr hin und wieder leider zum Verhängnis wird – die Blindschleiche ist jedoch eine Echse, bei der sich im Laufe der Evolution die Beine zurückgebildet haben. Kopf, Rumpf und Schwanz gehen beinahe nahtlos ineinander über. Unterscheiden kann man sie von einer Schlange unter anderem durch ihre beweglichen Augenlider und den leicht abbrechenden, als Ablenkungsmanöver für Fressfeinde dienenden Schwanz. Der wissenschaftliche Name Anguis fragilis (zerbrechliche Schlange) ist aus dem Missverständnis und dieser echsentypischen Eigenart ableitbar. Am Skelett sind Schulter- und Beckengürtel noch erkennbar.

Keine Angst, Blindschleichen sind vollkommen harmlos! Ihre nach innen gebogenen Zähne verwenden sie lediglich zum Ergreifen ihrer Beute, bei der es sich hauptsächlich um Nacktschnecken handelt. Im Garten sind sie daher sogar nützliche Untermieter. Zusätzlich gehören Regenwürmer, Insekten und Spinnentiere zum Speiseplan.

Die Blindschleiche wird 25-50 cm lang, wobei die Weibchen in der Regel etwas größer werden. Gut zu beobachten ist sie vor allem in ihrer aktiven Zeit zur Abenddämmerung, oder an warmen Tagen, wenn sie sich auf Steinen, offenen Bodenflächen oder Wegen sonnt.

Die Blindschleiche ist in fast ganz Europa verbreitet. Sie gilt als besonders anpassungsfähig und besiedelt daher verschiedene Lebensräume. Wichtig sind ihr allerdings eine geschlossene, viel Deckung bietende Pflanzendecke und genügend Bodenfeuchtigkeit, sowie Sonnenplätze. Bevorzugt besiedelt sie lichte Wälder und andere gehölzreiche Landschaftsbereiche. Sie meidet intensiv genutzte, ausgeräumte Agrarlandschaften.

Blindschleichen sind ovovivipar, was bedeutet, dass die Jungtiere sich im Mutterleib aus dem Ei entwickeln und lebend geboren werden. Die Paarung findet vermutlich im Mai und Juni statt. Die Geburt der Jungtiere erfolgt dann zwischen Ende August und Anfang Oktober. Ein Weibchen bringt in der Regel 5-20 Jungtiere in einer durchsichtigen Eihülle zur Welt, aus welcher diese sich durch schlängelnde Bewegungen leicht befreien können. Bis sie erwachsen sind, häuten sie sich drei- bis viermal im Jahr. Die Überwinterung erfolgt ab Oktober oder November in trockenen Kleintierhöhlen, Felsspalten oder Komposthaufen. In einer Höhle können bis zu 30 Tiere zu finden sein, oft auch gemeinsam mit Kreuzottern. Die ersten Tiere verlassen im März das Versteck und sind dann oft beim Sonnenbad zu beobachten.

Blindschleichen können ein stolzes Alter von 30-35 Jahren erreichen – dieses Glück wird aber nicht vielen Tieren zuteil, zu groß sind die sie umgebenden Gefahren. Fressfeinde sind verschiedene Vogelarten wie beispielsweise Rabenkrähe oder Mäusebussard, aber auch Schlangen wie die Ringel- und die Schlingnatter. In Siedlungsgebieten fallen viele Blindschleichen Katzen zum Opfer. Die größere Bedrohung ist jedoch der Mensch – Durch den Straßenbau werden Lebensräume zerschnitten. Die sich schnell erwärmenden, asphaltierten Straßen sind ein idealer Platz für das Sonnenbad– bis das nächste Auto diesem ein jähes Ende setzt. Weitere Gefährdungsfaktoren sind die Vernichtung von Kleinstrukturen wie Hecken und Gebüschen, welche den Tieren als Versteck dienen, die Trockenlegung von Feuchtgebieten, sowie die intensive Forstwirtschaft mit der Entstehung dichter, dunkler Fichtenforste, welche keinen Sonnenplatz mehr bieten.

Im Hotspot 22 – Gebiet profitiert die Blindschleiche von den neu angelegten blütenreichen Weg- und Waldsäumen, da sie hier Sonnenplätze und viel Nahrung findet. Ebenfalls hilfreich ist die Pflege von Heideflächen und Sandmagerrasen,  als strukturreiche Lebensräume.




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