Hotspot des Monats Dezember: Die Europäische Eibe

04.12.2018


Ein giftiger Baum, der Leben schenkt!

Wie eine verheißungsvolle verbotene Frucht leuchten die roten Scheinbeeren an dem immergrünen Nadelbaum, der heute vor allem in Parks, Siedlungsbereichen und auf Friedhöfen zu finden ist. Ursprünglich war die Baumart in Laubmischwäldern in weiten Teilen Europas verbreitet, durch die jahrelange Übernutzung des stark nachgefragten Holzes sowie Veränderungen im Waldbau ist sie jedoch sehr selten geworden und heute auf der Roten Liste Deutschlands als gefährdet eingestuft. 

Mit Ausnahme des Samenmantels sind für den Menschen alle Teile der Pflanze giftig, nicht umsonst war der Nadelbaum bereits in der Antike als Baum des Todes und der Unterwelt bekannt. 50 bis 100 Gramm der Eibennadeln können für den Menschen schon tödlich sein!

Die meisten Nutz- und Haustiere reagieren ebenfalls auf die toxischen Verbindungen der Eibe, vor allem für Pferde sind bereits geringe Mengen von 100 bis 150 Gramm tödlich. 

Faszinierend ist, dass die für uns und unsere Haustiere tödliche Pflanze für einige Tierarten eine Delikatesse und wichtige Nahrungsquelle darstellt. Neben Säugetieren, wie Rehe, Rothirsche, Hasen oder Wildschweine stellt die Pflanze mit ihren roten Scheinbeeren insbesondere auch für Vögel eine schmackhafte Mahlzeit dar. Insgesamt sind über 25 Vogelarten bekannt, die die Eibe als Nahrungsbaum nutzen, hierzu gehören u.a. Rotkehlchen, Amsel, Mistel-, Wacholder-, Sing- und Rotdrossel sowie Star, Kleiber oder Buntspecht. Die verschiedenen Vogelarten fressen sowohl die Früchte als auch die Samen und tragen so maßgeblich zur Verbreitung des Nadelbaums bei. 

Die Eibe bietet über einen ausgesprochen langen Zeitraum Nahrung für Vögel. Obwohl die Haupterntezeit im Oktober liegt, trifft man bereits im Juli auf Nahrungsgäste. Wenn im Dezember der Fruchtbestand meist deutlich abgenommen hat, werden die auf den Boden fallenden Samen genutzt, die dort noch bis in den Februar, teilweise bis April, gerne aufgenommen werden. 

Doch wer jetzt glaubt, dass die Eibe nur für die Tiere von Bedeutung ist, irrt sich. Die Eibe diente dem Menschen zwar nicht als Nahrung, aufgrund des harten, aber gleichzeitig elastischen Eibenholzes war der Baum aber schon im Spätmittelalter für den Bogen- und Armbrustbau sehr gefragt. Schon „Ötzi“ kraxelte mit einem Bogen aus Eibenholz durch die Tiroler Bergwelt. Die große Nachfrage führte zu einer jahrhundertelangen Übernutzung des Eibenbestandes, so dass Herzog Albrecht im Jahr 1568 erklären musste, dass es in Bayern keine einzige Eibe mehr gebe, die man fällen könne. Heutzutage wird das Holz der Eibe nur noch selten im Holzhandel angeboten, die Nutzung beschränkt sich auf Furnierarbeiten, Holzschnitzereien, Kunstdrechslerei und auf den Bau von Musikinstrumenten. 

Es scheint fast so, als würde die Eibe nun der Vergangenheit angehören und für den Menschen nicht mehr von Bedeutung sein. Die Eibe als einzige ausschlagfähige heimische Nadelbaumart bietet sich in Kombination mit ihrem dichten Wuchs und der Schnittverträglichkeit anscheinend „nur noch“ zur Anlage von Sichtschutz- oder Zierhecken an. 

Aber der Schein trügt: Der Nadelbaum genießt insbesondere seit den 1990er Jahren wieder eine hohe Wertschätzung – in der Medizin. Die Wirkstoffe der Eibe werden vor allem bei Verdauungsschwäche und Hautpusteln angewendet, neuerdings finden diese auch Anwendung in der Behandlung von metastasierendem Brust- und Eierstockkrebs sowie von bestimmten Bronchialkarzinomen. 

Doch auch unter Berücksichtigung dieser Tatsache kann nicht geleugnet werden, dass die Eibe in der Vergangenheit viel genutzt wurde, der Baum in der Gegenwart allerdings in Vergessenheit geraten ist. Auch im Hotspot 22 ist der schattenverträgliche Nadelbaum, der mehr als 1000 Jahre alt werden kann, nur noch selten zu sehen. Eiben haben es nicht eilig, sie wachsen sehr langsam und sind auch deshalb kaum noch an natürlichen Standorten zu finden. Einige alte Eiben, die teilweise älter als 600 Jahre sein sollen, bereichern heute noch das Ortsbild von Hopsten. Zwei Exemplare stehen vor der Ortskirche und erreichen dort ungeahnte Höhen. Ein seltener und sehr lohnenswerter Anblick!




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